Einmal im Monat verwandelt sich der Coiffeur-Salon naturell in Stäfa in einen offenen Handarbeitstreff. Menschen kommen zusammen, stricken und häkeln – und nutzen ihre Zeit und ihr Können, um anderen etwas Gutes zu tun.
Am ersten Montag im Monat dreht sich im Coiffeur-Salon naturell ausnahmsweise nicht alles um die Haare. Scheren und Pflegeprodukte rücken dann in den Hintergrund, stattdessen werden Wolle und Nadeln hervorgeholt. Nach und nach kommen Menschen zusammen, setzen sich dazu und beginnen zu stricken oder zu häkeln. Es wird gemeinsam gearbeitet, erzählt und Zeit miteinander verbracht. Im Mittelpunkt stehen die Freude am Handarbeiten und der Wunsch, mit den eigenen Fähigkeiten anderen etwas Gutes zu tun.
Die Idee für den Handarbeitstreff kommt nicht von ungefähr. Als Gaby Schibi naturell 2015 in Stäfa eröffnete, wollte sie von Anfang an mehr als einen klassischen Coiffeur-Salon schaffen: einen Ort, an dem Menschen zur Ruhe kommen und sich wohlfühlen können. Bewusstes Handeln gehört für sie ebenfalls dazu. Bei ihrer Arbeit setzt sie auf natürliche, nachhaltig ausgewählte Produkte. Mit dem Handarbeitstreff führt sie diese Haltung weiter und schafft Raum für Begegnung, gemeinsames Handwerk und soziales Engagement.
«Mit Kaffee, Wolle und netten Menschen macht jede Masche mehr Spass.», so Gabi Schibi.
Kleine Oktopusse für Frühgeborene
Was dabei Masche für Masche entsteht, hat einen konkreten Zweck. Ein besonderes Projekt des Handarbeitstreffs sind kleine gehäkelte Oktopusse für Frühgeborene. Ihre Tentakel geben den Babys etwas zum Festhalten und sollen an die Nabelschnur im Mutterleib erinnern. Seit 2018 werden sie bei naturell für diesen Zweck gehäkelt.
Dabei richten sich die Teilnehmenden nach den Vorgaben des Vereins Oktopus für Frühchen Schweiz. Die fertigen Oktopusse werden im Salon gesammelt und anschliessend an den Verein weitergegeben.
«Was wir hier herstellen, hat einen echten Sinn. Unsere Oktopusse wandern direkt zu Frühgeborenen in Schweizer Kliniken – etwas zum Festhalten für die Kleinsten, die noch kämpfen.»
Bei den Oktopussen ist es inzwischen nicht geblieben. Für den Socken-Weltrekord 2026 greifen die Teilnehmenden erneut zu den Nadeln. Dieses Mal entstehen Socken, die ab April 2027 an obdachlose Menschen verteilt werden sollen.
Gaby Schibi möchte einen Teil davon gerne möglichst direkt in der Region weitergeben. Deshalb sucht sie derzeit noch nach einer Organisation in Stäfa oder der näheren Umgebung, die obdachlose Menschen unterstützt.
Handwerk verbindet

Während gestrickt und gehäkelt wird, entsteht aber noch etwas anderes: Gemeinschaft. Menschen kommen miteinander ins Gespräch, verbringen Zeit zusammen und teilen ihr Wissen. Wer schon lange strickt oder häkelt, kann seine Erfahrung weitergeben; wer neu beginnt, kann von anderen lernen.
So wirkt der Handarbeitstreff in zwei Richtungen. Die entstandenen Handarbeiten kommen Menschen zugute, die Unterstützung brauchen. Gleichzeitig schafft der Treff für die Teilnehmenden selbst einen Ort für Begegnung und Austausch. Gemeinsames Tun kann Menschen zusammenbringen, Einsamkeit entgegenwirken und den sozialen Zusammenhalt stärken.
Darin zeigt sich auch die gesellschaftliche Seite der Nachhaltigkeit. Ehrenamtliches Engagement ermöglicht es, eigene Zeit und Fähigkeiten für andere einzusetzen und gleichzeitig das Miteinander vor Ort zu stärken. Beim Handarbeitstreff geschieht das ganz konkret: durch gemeinsames Handwerk, die Weitergabe von Wissen und die Unterstützung von Menschen, die Hilfe benötigen.
Nächster Treff: Montag, 7. September, 16 bis 19 Uhr, Goethestrasse 3, 8712 Stäfa
Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Bringen Sie Wolle und Nadeln mit oder beziehen Sie beides vor Ort, und setzen Sie sich einfach dazu.















