Wer baut, renoviert oder umbaut, entsorgt oft Türen, Küchen, Fenster oder Lavabos, die noch gut erhalten sind. Die Bauteilvermittlung Zürichsee-Oberland (BTVZ) zeigt, wie Bauteile weiterverwendet werden können – statt auf der Deponie zu landen.
Das Bauwesen verursacht in der Schweiz einen grossen Teil des gesamten Abfallaufkommens und benötigt viele Ressourcen. Insgesamt fallen hierzulande jährlich rund 80 bis 90 Millionen Tonnen Abfall an. Davon entfallen rund 57 Millionen Tonnen auf Aushub- und Ausbruchmaterial sowie weitere 17 Millionen Tonnen auf den Rückbau von Gebäuden, Strassen und Bahntrassen.
In Bauteilen steckt zudem sogenannte graue Energie – also Energie und Ressourcen, die bereits für Herstellung, Transport und Einbau aufgewendet wurden. Wenn Bauteile entsorgt werden, anstatt wiederverwendet zu werden, gehen diese wertvollen Ressourcen verloren und zusätzliche Umweltbelastungen entstehen.
Genau hier setzt die BTVZ an. Die Organisation vermittelt wiederverwendbare Bauteile aus Umbauten und Abbruchobjekten an Menschen und Projekte, die solche Materialien suchen.
Die verfügbaren Materialien werden online veröffentlicht. Eigentümerinnen und Eigentümer, Architekturbüros, Handwerksbetriebe, Gemeinden und weitere Interessierte können direkt Kontakt aufnehmen. Sie holen die Bauteile vor Ort ab oder bauen sie selbst aus. Viele Materialien werden günstig weitergegeben und können so weiter genutzt werden.
Kreislaufwirtschaft im Bauwesen stärken
Die Arbeit der BTVZ basiert auf dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Diese verfolgt das Ziel, Rohstoffe und Materialien möglichst effizient und so lange wie möglich zu nutzen. Durch Recycling und die Weiterverwendung von Materialien können Ressourcen geschont, Abfälle reduziert und zusätzliche CO₂-Emissionen vermieden werden.
In der Bauwirtschaft gewinnt dieses Prinzip zunehmend an Bedeutung. Die Swissbau, die Schweizer Plattform für Bau- und Immobilienwirtschaft, betont, dass Gebäude künftig stärker als Quelle für wiederverwendbare Materialien betrachtet werden sollen. Bauteile und Materialien sollen deshalb möglichst so geplant und genutzt werden, dass sie später wieder ausgebaut und weiterverwendet werden können.
Die BTVZ trägt dazu bei, dieses Prinzip im Bauwesen sichtbarer zu machen und die Wiederverwendung von Materialien stärker mitzudenken.
Gemeinsam Wiederverwendung im Bauwesen fördern
Um das Bewusstsein für die Wiederverwendung von Baumaterialien zu fördern, arbeitet die BTVZ mit einem grossen Netzwerk zusammen. Dazu gehören Gemeinden, Fachorganisationen, Architekturbüros und weitere Partner.
Einige Gemeinden – darunter auch die Gemeinde Stäfa – machen beispielsweise im Abfallkalender auf die Vermittlungsplattform aufmerksam und erinnern die Bevölkerung daran, wiederverwendbare Materialien weiterzugeben statt zu entsorgen.
Mit der ETH besteht ein enger Austausch. Dort beschäftigt sich die Abteilung «CEA – Circular Engineering for Architecture» mit Kreislaufwirtschaft in der Architektur. Die entwickelten Ansätze helfen dabei, geeignete Bauteile in Abbruchobjekten frühzeitig zu erkennen und einfacher weiterzuverwenden.
Zudem arbeitet die BTVZ mit verschiedenen Organisationen und Plattformen zusammen, um Wissen auszutauschen, Menschen bei der Weiterverwendung von Bauteilen zu vernetzen und voneinander zu lernen. Dazu gehören unter anderem der Verein Cirkla als Trägerverein der BTVZ, der Verband öbu sowie die Plattformen Useagain und Salza.
Materialien sinnvoll weitergeben
Von der Vermittlung profitieren nicht nur Bauprojekte in der Region. Auch gemeinnützige Organisationen und Hilfswerke im In- und Ausland suchen regelmässig nach wiederverwendbaren Materialien. So konnten bereits Küchen, sanitäre Einrichtungen, Holzöfen oder Fenster aus der Region weitergegeben werden. Auch für Projekte in der Ukraine wurden bereits Fenster vermittelt und weitertransportiert.
Jetzt Bauteile weitergeben statt entsorgen
Die BTVZ zeigt, wie Wiederverwendung von Bauteilen ganz praktisch funktionieren kann – direkt in der Region und mit konkretem Nutzen für Mensch und Umwelt. So können Ressourcen geschont, Abfälle reduziert und Materialien länger genutzt werden.
Wer selbst Bauteile weitergeben, suchen oder wiederverwenden möchte, findet auf der Plattform der BTVZ aktuelle Angebote und weitere Informationen.














